Catharina S.: Und was willst Du mal werden?

So lautete wohl die häufigste Frage kurz vor Ende der Realschulzeit. Hauswirtschaft, soviel stand fest, auf jeden Fall nicht. Catharina S. berichtet hier von ihrem Weg in der Hauswirtschaft.

Hauswirtschaft  als Familientradition – Nicht für mich
Meine Mutter und Oma waren schon Meisterin in der Hauswirtschaft, meine große Schwester auch und meine mittlere Schwester hatte ebenfalls  eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin gemacht. Es musste für mich auch was anderes geben, obgleich mir die Arbeit in einem Seniorenheim schon Spaß gemacht hat. Seitdem ich 14 war, half ich meiner Mutter in den Ferien und am Wochenende in der Küche aus, in der sie als Hauswirtschaftsleitung (HWL) tätig war.

Wie ich trotzdem zur Hauswirtschaft kam
Ich ging also weiter zur Schule und wollte mein Abitur machen. Dazu kam es einige Monate vor dem Abschluss nicht mehr, denn meine Mutter erkrankte schwer und ich schmiss alles hin. Nicht die weiseste Entscheidung in meinem Leben, aber sie brachte mich dorthin, wo ich jetzt bin - in die Hauswirtschaft. Ich bewarb mich in einigen Einrichtungen, die ausbilden, machte ein paar Praktika und begann meine Ausbildung im August 2001 in einem Pflegeheim an der Elbe. Ich wusste schon nach ein paar Wochen: das will ich machen! Menschen versorgen, für sie kochen, ihnen ein schönes Wohnumfeld gestalten, eine Torte zum Geburtstag backen - gefühlte 100 Schwarzwälder Kirschtorten bisher - Wäschepflege und mit ihnen den Weihnachtsbaum schmücken.

Meine Aus- und Fortbildung
Dass ich mich weiterbilden würde, stand schnell fest. Ich legte meine ganze Energie in diese Ausbildung, die mir viel Spaß machte. Nicht zuletzt, weil ich eine super Ausbilderin hatte und Kollegen, die mir viele Möglichkeiten gaben mich zu entfalten. Ich konnte kreativ sein, Vorschläge für den Speiseplan machen, Rezepte ausprobieren, Tische für Anlässe decken und an Fortbildungen teilnehmen. Meine Begeisterung und meine Fähigkeit für diesen Beruf blieben auch meiner Ausbilderin nicht verborgen und so stellten wir einen Antrag auf Verkürzung der Ausbildungszeit.  Nach zweieinhalb Jahren - im Februar 2004 – schloss ich meine Ausbildung ab und habe auf Grund meiner guten Leistungen sogar ein Stipendium erhalten. Dies unterstütze mich finanziell während  der Fachschule in Stade. Zwei Jahre wieder täglich die Schulbank drücken, dazu hatte ich ehrlich keine Lust. Aber das war der schnellste Weg ans Ziel - das Ziel, selbst einen Betrieb zu leiten. Zum Glück wurde der Unterricht von vielen Praxiseinheiten begleitet, in denen man auch andere Schüler anleiten musste. Immerhin wollte ich ja künftig auch ausbilden. Wir führten einige Projekte durch und schauten uns Betriebe an.

Mein beruflicher Einstieg
Nach dem Abschluss wollte ich etwas anderes machen als in meiner Ausbildungszeit. So fing ich in einem 5* Hotel in Hamburg als Hausdame an. Die gereinigten Zimmer überprüfen, Wäscheservice für die Gäste, den Mitarbeitereinsatz entsprechend der Belegung planen und Bestellungen durchführen    gehörten zu meinen täglichen Aufgaben. Viele der Arbeiten wurden im Hintergrund erledigt und mir persönlich  fehlte der Kontakt zu den Gästen. Ich hielt also die Augen nach einem neuen Job offen. Es wurde eine Stelle als stellvertretende Hauswirtschaftsleitung (HWL) in Bad Oldesloe frei, mit der Option der Leitung nach sechs Monaten. Ich wurde eingearbeitet und kannte den Betrieb gut, als ich im Sommer 2007, ein Jahr nach meinem Abschluss, nun als HWL arbeitete. 250 Betten hatte das Haus, das war schon eine große Aufgabe. Urlaubs und Dienstplanung, gesetzliche Vorgaben in der Hygiene einhalten, Qualitätsstandards erarbeiten, Speisenplanung, Lebensmittelbeschaffung, Feste ausrichten und die Zufriedenheit der Bewohner erfragen und ihre Wünsche umsetzen. Kein Tag ist wie der andere und das macht diesen Job so spannend. Drei Jahre war ich dort beschäftigt, aber ich wollte noch was anderes ausprobieren.

Privathaushalt – eine Alternative?
Eigentlich kam ein Privathaushalt nicht in Frage, aber ich stellte mich dennoch vor, es lag ja vor der Haustür. Ein großes Anwesen mit Gärtner, Reinigungskräften, einem Koch und einem Chauffeur. Weniger Personal, nur zwei zu versorgende Personen, aber alles bis ins Detail geplant. Darin lag meine Aufgabe, den kompletten Haushalt so zu organisieren, dass man möglichst unauffällig ist. Kleidungsstücke binnen Stunden zurück in die Ankleide bringen, das Lieblingsessen vorrätig haben, Gäste zu bewirten, Geburtstage auszurichten, Reisen zu planen und die Wünsche von den Lippen ablesen. Ich war das zentrale Rad in diesem Uhrwerk und habe viel gelernt und noch mehr erlebt. Privat hätte ich wohl nie eine Auster probiert. Zweieinhalb Jahre war ich dort beschäftigt, bis mich erneut die Lust auf Veränderung packte.

Meine jetzige Tätigkeit
Im Nachbardorf wurde eine HWL für ein Seniorenheim gesucht. Ich bewarb mich und konnte schon nach ein paar Tagen meine Arbeit aufnehmen. Hier hatte ich nun die Chance all meine Erfahrungen einfließen zu lassen und habe in den drei Jahren dort viel optimiert. Standards verändern sich, Ansprüche an Arbeitsplätze und das zu versorgende Klientel ebenso. Systematische Reinigungsabläufe wurden geschaffen und wir haben zusätzlich noch die Schule mitversorgt. So ein Spagat - die jüngsten und ältesten in der Gesellschaft aus einer Küche zu versorgen - war oft nicht leicht, aber auch das haben wir hinbekommen. Wir, weil man als HWL nie alleine arbeitet, man hat Schnittstellen mit der Pflege und der Reinigung, ja mit allen Bereichen in einem Betrieb. Seit dem letzten Jahr können wir in dem Betrieb ausbilden. Ich habe jetzt eine Auszubildende und wirke seither auch im Prüfungsausschuss mit.

Als vor einigen Monaten die Einrichtung an eine Gesellschaft verkauft wurde, tat sich für mich erneut eine neue Herausforderung auf. Ich arbeite jetzt als HWL übergeordnet für derzeit 4 Einrichtungen in Niedersachsen und es werden noch mehr. Ich studiere Arbeitsabläufe in allen Bereichen, schreibe Verfahrensanweisungen und mache Schulungen mit dem Personal. Prozesse werden vereinheitlicht und der Einkauf künftig zentral gesteuert.  Ich bin grade dabei Preisverhandlungen zu führen, um für alle Einrichtung kostengünstig und qualitativ hochwertig einkaufen zu können.

Mein berufliches Ziel?
Das kann  ich nicht sagen, es gibt noch so viele spannende Aufgabenfelder und  Möglichkeiten, seinen persönlichen Berufsweg zu gestalten. Eine gute Ausbildung, Fleiß und Motivation und die Bereitschaft zu lernen sind die Voraussetzung dafür.

Kontakt

Juliane Pegel
Sachgebiet Aus- und Fortbildung Hauswirtschaft

Geschäftsbereich Landwirtschaft
Oldenburg

Telefon: 0441 801-218
Telefax: 0441 801-204
Mobil:
E-Mail: