Heiko M.: Mein Weg zum Hauswirtschafter- ein Beruf mit Vielfalt

Das Profil des Hauswirtschafters ist längst nicht mehr als klassischer, reiner Frauenberuf anzusehen und die Anforderungen gehen weit über das Kochen und Reinigen hinaus.

Hauswirtschaft nicht nur ein Frauenberuf

Mein Weg dorthin verlief über einige Umwege und dennoch verbanden mich bereits die im Kindesalter gesammelten Erfahrungen mit diesem Beruf.
Hierbei prägte mich mein Vater, der mir besonders in der Rolle des Versorgers imponierte. Als Ältester von fünf Kindern musste er im Zweiten Weltkrieg meiner Großmutter zur Hand gehen und schon sehr früh alle im Haushalt und Garten anfallenden Arbeiten übernehmen. Er konnte nähen, kochen, backen, waschen und widmete sich zudem den Gartenarbeiten. Als Kind war es für mich somit normal, dass er die anfallenden hauswirtschaftlichen Aufgaben genauso gut abarbeiten konnte wie meine Mutter.

Mein beruflicher Werdegang

In meiner Schulzeit hatte ich zwei Jahre Kochunterricht. Nach einer begonnenen Lehre in der Schuhbranche, fuhr ich bereits im Alter von siebzehn Jahren das erste Mal als Kochhelfer zur See. Nach einiger Zeit wurde ich zum Koch befördert und fuhr fünf Jahre in dieser Anstellung auf See.
Mit 22 Jahren begann ich eine Umschulung zum Fleischer und arbeitete nach bestandener Prüfung einige Jahre als Geselle. Berufsbegleitend erwarb ich in der Abendschule in Bremen 1988 den Meisterbrief im Fleischerhandwerk.
Mit der neu erworbenen Qualifikation übernahm ich die Leitung der Frische-Abteilung eines in ganz Deutschland tätigen Handelsunternehmens. In den zehn Jahren lernte ich viele Fassetten des Lebensmittelhandels kennen, die meinen täglichen Arbeitsalltag bestimmten. Dazu zählten u.a. Warendisposition und Warenpräsentation, Kundenumgang, Personaleinsatz, Ausbildung und Kaufmännisches Handeln.

Über Umwege in die Hauswirtschaft

Vor ca. 20 Jahren bot sich dann die Möglichkeit, den Bereich der Hauswirtschaft in einer stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung zu übernehmen. Das Anforderungsprofil für diese Position hob sich jedoch erheblich von den bisher gesammelten Erfahrungen in anderen Anstellungen ab. Es fiel mir zwar leicht, als Quereinsteiger zu kochen und den Haushalt zu organisieren. Doch ich stand nun auf einmal vor der Herausforderung, mit traumatisierten und verwahrlosten Kindern und Jugendlichen zu arbeiten bzw. diese zu versorgen.

Stellenprofil hat sich erweitert

Über die Jahre erweiterte sich meine Stellenbeschreibung und eine Vielzahl von Anforderungen kam hinzu. Im Fokus der Arbeit stand nun auch die Betreuung der Bewohner. Dies setzte voraus, dass ich an regelmäßig stattfindenden Fortbildungen, Teamsitzungen und Supervisionen teilnahm. Durch diese pädagogischen Elemente erweiterten sich meine Kenntnisse auch in diesem Bereich.

Umgang mit den Bewohnern immer wichtiger

Eine lange Zeit bot ich eine Verselbständigungsgruppe für Heranwachsende an, besondere Schwerpunkte bildeten dabei die Vermittlung von Alltagskompetenzen wie Kochen, Einkaufen, Umgang mit Behörden Fahrradreparaturen, Renovierungsarbeiten, Möbelaufbau sowie der Umgang mit Werkzeugen.
Häufig begleitete ich die Bewohner auf Ferienfreizeiten, dabei hatte ich die Rolle des Versorgers und Betreuers. Darüber hinaus lernte ich die verschiedensten Orte und Situationen gemeinsam mit den Heranwachsenden kennen, die an Vielfalt kaum zu überbieten sind .So begleitete ich sie bspw. zu Praktikumsbetrieben, Ärzten, Behörden und Ämtern, Wohnungsbesichtigungen usw.

Fortbildung zum Meister der Hauswirtschaft

Um das Angebotsspektrum der Einrichtung zu erweitern und jungen Erwachsenen eine Ausbildungsmöglichkeit zu eröffnen, habe ich berufsbegleitend den Meister der Hauswirtschaft abgelegt und bilde seitdem aus.

Vielfältige Anforderungen an die Hauswirtschaft

Die hauswirtschaftlichen Anforderungen in einer Kleinsteinrichtung der Jugendhilfe, die einem Privathaushalt ähnelt, sind sehr breit gefächert. Meine Aufgabe ist es z.B. die ernährungsphysiologische Besonderheiten der Bewohner zu beachten und sie mit einem abwechslungsreichen Speisenangebot zu versorgen. Des Weiteren bin ich für die Einhaltung von Hygienestandards, das Waschen der Haus- und Bewohnerwäsche, Reinigungs- und Renovierungsarbeiten sowie die Ausrichtung von Festen und Geburtstagen verantwortlich. Ebenso bewirten wir Gäste, die innerhalb der Einrichtung im Rahmen von Fortbildungen u. Ä. tagen. Da ein großer Schwerpunkt meiner Arbeit jedoch die Betreuung beinhaltet, bilden Freude am Umgang mit jungen Menschen, Flexibilität und eine gehörige Portion Gelassenheit und Humor die Grundvoraussetzung für einen zufriedenstellenden Arbeitsalltag. Schließlich ist es unser Ziel, jedem einzelnen Bewohner auf Augenhöhe zu begegnen und im entsprechenden Wohnumfeld eine familienähnliche Struktur zu erschaffen.

Kontakt

Juliane Pegel
Sachgebiet Aus- und Fortbildung Hauswirtschaft

Geschäftsbereich Landwirtschaft
Oldenburg

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